Dienstreise nach Kolumbien: Ein Bauer erklärt Entwicklungspolitik

Dienstreise nach Kolumbien: Ein Bauer erklärt Entwicklungspolitik

Vom 10.bis 18. Februar dieses Jahres besuchte ich im Rahmen meines Mandats als Abgeordneter des Deutschen Bundestages das südamerikanische Land Kolumbien. Als Mitglied des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wollte ich mir vor Ort ein eigenes Bild davon machen, wie die vielen Millionen Euro eingesetzt werden, die Deutschland jedes Jahr im Rahmen der Entwicklungshilfe nach Kolumbien überweist.

Eines kann ich gleich vorwegnehmen: Eine solche Dienstreise hat mit Urlaub nichts zu tun –ganz im Gegenteil. Die Tage waren dicht gefüllt und fordernd, aber gerade deshalb auch äußerst aufschlussreich. Täglich standen mehrere, oft mehrstündige Termine auf dem Programm: Gespräche mit der deutschen Botschafterin, mit Vertretern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit vor Ort, mit kolumbianischen Partnern aus Politik und Wirtschaft sowie Besuche bei Handwerksbetrieben, Infrastrukturprojekten und landwirtschaftlichen Betrieben. All das fand unter teils extrem unterschiedlichen Bedingungen statt – einmal bei dünner Höhenluft auf über 2.000 Metern, ein anderes Mal bei tropischer Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit am Rand des Regenwaldes.

Über viele Eindrücke und Begegnungen dieser Reise werde ich bei Gelegenheit gerne ausführlicher berichten. An dieser Stelle möchte ich jedoch ein kurzes Fazit ziehen. Mein Eindruck nach zahlreichen Gesprächen und Besuchen vor Ort ist eindeutig: Ein erheblicher Teil der deutschen Entwicklungsgelder wird in Kolumbien ineffizient eingesetzt. Zu oft fließen die Mittel in Projekte, die an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen vor Ort und auch an den Möglichkeiten sinnvoller wirtschaftlicher Zusammenarbeit vorbeigehen.

Dabei gäbe es großes Potenzial. Viele Gesprächspartner in Kolumbien haben deutlich gemacht, dass ein starkes Interesse an wirtschaftlicher Zusammenarbeit mit Deutschland besteht. Gerade für deutsche kleine und mittlere Unternehmenkönnten sich hier Chancen ergeben – wenn die politische Bereitschaft in Deutschland vorhanden wäre, entsprechende Netzwerke aufzubauen und Kooperationen gezielt zu fördern.

Denn eines ist klar: Wirtschaftliche Zusammenarbeit mit anderen Ländern liegt auch im deutschen Interesse. Deutschland ist eine Exportnation und damit auf Märkte angewiesen, die unsere Produkte nachfragen. Gleichzeitig benötigen wir Rohstoffe aus dem Ausland – darunter auch kritische und seltene Rohstoffe, über die Länder wie Kolumbien in erheblichem Umfang verfügen. Eine kluge wirtschaftliche Zusammenarbeit kann daher beiden Seiten nutzen. Auch aufgrund der Eindrücke meiner Reise halte ich daher an der Forderung der AfD-Bundestagsfraktion fest: Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sollte in seiner jetzigen Form aufgelöst werden. Sinnvolle Teile der wirtschaftlichen Zusammenarbeit könnten im Bundeswirtschaftsministerium angesiedelt werden, während humanitäre Hilfe – die selbstverständlich weiterhin notwendig ist – beim Auswärtigen Amt besser aufgehoben wäre.

Zum Abschluss noch eine kleine Begebenheit, die meine Eindrücke besonders deutlich zusammenfasst: Am Rande des kolumbianischen Regenwaldes, in der Region um Florencia, besuchte ich einen landwirtschaftlichen Betrieb. Im Gespräch fragte ich den dortigen Bauern, was er für seine tägliche Arbeit am dringendsten brauche. Seine Antwort kam ohne lange Überlegung: eine zuverlässige Energieversorgung, funktionierende Kühlketten für seine Produkte und bessere Absatzmärkte. Die Themen, die den deutschen entwicklungspolitischen Diskurs häufig dominieren –etwa „Gender“, „Klima“ oder komplexe Strukturen multilateraler Organisationen und NGOs – spielten in seiner Antwort keine Rolle. Dieses Gespräch hat mir einmal mehr gezeigt, worauf es in der Entwicklungspolitik wirklich ankommt: auf praktische Lösungen, die den Menschen vor Ort tatsächlich helfen, ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern. Meine Meinung: „Dieser kolumbianische Bauer versteht mehr von Entwicklungspolitik als die Altparteien in Berlin.“

Matthias Rentzsch, MdB